Liebe Mitglieder und Leser*innen der Technik in Bayern,

in der aktuellen Ausgabe 02/2020 Mai/Juni sind in der Veranstaltungsliste für unseren VDI-BVBNO Seite 43 u. 44 Veranstaltungen aufgeführt, die, bis auf die als Onlineveranstaltungen gekennzeichneten, aus den aktuellen CORONA-Beschränkungen vorläufig natürlich nicht stattfinden.

Wir versuchen und klären derzeit, ob bzw. welche Veranstaltungen online durchgeführt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden und informieren Sie darüber auf unserer Homepage  www.vdi-bno.de.

Wir bitten Sie, sich hier, oder in der Geschäftsstelle bei Fr. Loch, über den aktuellen Stand der Veranstaltungen zu informieren und werden Sie hierüber über die aktuellen Veranstaltungen und mit „News“ aus unserem Bezirksverein informieren.

Herzliche Grüße und achten Sie auf Ihre Gesundheit, wir hoffen Sie Alle, wenn die Beschränkungen wieder aufgehoben sind, gesund und zahlreich bei den Veranstaltungen begrüßen zu können.

 
Der Vorstand des VDI-BVBNO e. V.

Liebe VDI-Mitglieder,

seit dem 16. März 2020 und mindestens noch bis zum 4. Mai gelten die Ausgangsbeschränkungen und ab dem 27.04.2020 gilt die Maskenpflicht wegen der Corona-Pandemie. Bundes- und Landesregierung passen diese Regelungen im Zwei-Wochen Rhythmus an. „Corona“ wirkt sich auch auf die Arbeit im VDI-Bezirksverein Bayern Nordost (VDI BVBNO) aus, die aber trotzdem weiter geht. Über das „Wie?“ möchten wir Sie mit diesem Schreiben informieren.

Leider mussten fasst alle Veranstaltungen abgesagt werden, die mit viel Engagement und Herzblut organisiert worden waren: Das tut uns für die Organisatoren*innen, bei denen wir uns ganz herzlich für ihr Engagement und die damit verbundene Arbeit bedanken, wie für Teilnehmer*innen sehr leid. Es war aber aus besagten Gründen unumgänglich und wurde auch von Allen akzeptiert.

Doch wir möchten Sie auf diesem Weg informativ auf dem Laufenden halten und Ihnen einige – sicherlich für Sie positive - Neuigkeiten aus unserem BV mitteilen.

Das Wichtigste zuerst:  Wir sind nach wie vor für Sie da und erreichbar!

Hier die Erreichbarkeiten von Geschäftsstelle und Vorstand:

  • Auch wenn Frau Loch die Aufgaben der Geschäftsstelle im Home Office wahrnimmt: E-Mail –Adresse (vdi@th-online.de) und Telefonnummer (0911-55 40 30) bleiben erhalten. Geschäftszeiten: Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 12 Uhr.
  • Alle Mitglieder des juristischen Vorstands (Herr Kißmer, Frau Dr. Barbian, Herr Manns) sind per E-Mail erreichbar. Die Kontaktdaten finden Sie auf www.vdi-bno.de.


Aktuelles aus dem Vorstand:

  • Seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen finden sämtliche Vorstandssitzungen digital statt. Ein entsprechender Vorstandsbeschluss zur „digitalen Beschlussfähigkeit“ hat das ermöglicht.
  • Seit 7. April 2020 hat Frau Dr. Barbian kommissarisch die Aufgabe der Vorständin Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Dazu gehört auch die Betreuung der eingereichten Beiträge für „Technik in Bayern“, kurz TiB. Unterstützt wird sie von Herrn Wraneschitz, unserem neuen journalistischen Berater, und von Frau Loch.
  • Herr Traschewski, unser bisheriger Stellvertretender Vorsitzender, hat sein Amt zu Jahresbeginn an Frau Dr. Barbian übergeben. Er steht uns aber als Berater für Projekte weiter zur Verfügung. Dafür unseren herzlichen Dank!
  • Der Vorstand bittet Sie alle, Ihre Arbeitskreise und Netzwerke – soweit möglich – digital weiter zu führen. Seien Sie kreativ und gehen Sie neue Wege! Wir unterstützen Sie dabei. Über die Möglichkeiten und über die verschiedenen Tools hierfür, um Online-Veranstaltungen zu realisieren, berät Sie gerne Frau Dr. Barbian, unsere für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortliche Vorständin. Sie ist erreichbar unter stv-vorstand-bno@vdi.de.

Und sonst?

  • Unsere für Mai geplante Jahresmitgliederversammlung wurde auf 27.11.2020 verschoben. Falls möglich wird sie am gewohnten Tagungsort, dem Arvena Park Hotel Nürnberg als Präsenzveranstaltung stattfinden. Die Einladung wird rechtzeitig erfolgen. Und falls sich an dem Plan etwas ändern sollte, werdn wir Sie baldmöglichst informieren.
  • Unsere Homepage www.vdi-bno.de bekommt bald ein neues Gesicht. Das Konzept steht bereits. Frau Loch arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Umsetzung. Lssen Sie sich überraschen und schauen Sie dann online vorbei.
  • Kennen Sie schon unseren Facebook-Aufritt www.facebook.com/vdi.bno/ ? Auch dort finden Sie immer wieder Neuigkeiten und Informationen.

Wir befinden uns in einer besonderen Zeit: Sie schränkt uns in unserer Vereinstätigkeit ziemlich ein. Doch trotz allem: Ihr VDI-BNO ist weiterhin als Verein für Sie da. Tragen auch Sie mit Ihrem Engagement bitte weiter dazu bei, damit wir alle mit Besonnenheit, Sorgfalt und Zusammenhalt die Vereinsarbeit aufrechterhalten können.

Danke noch einmal Ihnen allen, wir halten Sie auf dem Laufenden Und: Bleiben Sie gesund!

Der Vorstand

Rankine-Microdampfturbine gestartet: 40 Kilowatt mehr aus Klärkraftwerks-Abgas

Ein besonderes Highlight und Auftakt der diesjährigen Veranstaltungen des Arbeitskreises Energie- und Umwelttechnik, war am 30. Januar die Teilnahme an der Inbetriebnahme einer besonderen Mikrodampfturbine im Rahmen einer Feierstunde im SUN, dem städtischen Entwässerungsbetrieb: Sie arbeitet nach dem „Clausius-Rankine“-Prinzip. Wissenschaftler der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm (THN) wollen damit die Abgaswärme aus Blockheizkraftwerken (BHKW) wirtschaftlich in zusätzlichen Strom umwandeln.

In den vier Klärgas-BHKW am Klärwerk Nürnberg bleibt die Energie im heißen Abgas – immerhin ca. 19 Prozent der eingesetzten Klärgasenergie – bisher ungenutzt, das wollten die Forscher ändern.

Die Besonderheit der Nürnberger Forschungsanlage ist der hier realisierte Clausius-Rankine-Kreisprozess mit einer Turbine in einem geschlossenen Dampfkreislauf, der selbst bei einer Leckage keine Umweltprobleme bereiten würde.

Projektleiter ist Dr. Frank Opferkuch, Professor an der Technischen Hochschule Nürnberg und Inhaber der Forschungsprofessur für dezentrale Energiewandlung und Speicherung im Kompetenzzentrum Energie, der die Technik erklärt: Ein im Abgasrohr des BHKW eingebauter Wärmetauscher erzeugt Heißdampf mit 430°C und 16 bar, der dann in der Mikrodampfturbine entspannt wird und dabei 40 KWel Strom erzeugt

Diese hat Christoph Heckel bereits in den frühen 2000er Jahren für seinen Arbeitgeber Siemens, einem der jetzigen Projektpartner entwickelt.

Noch immer ist Heckel begeistert von dem Aggregat. „Man spürt überhaupt nicht, ob sie läuft“, sagt er. Der Grund dafür ist eine innovative Magnetlagerung, „die überhaupt erst solche hohen, vibrationsarmen Drehzahlen ermöglicht“.

Die Forschenden wollen in diesem Projekt namens KompACT neue Komponenten testen, so den Wirkungsgrad weiter steigern und die Herstellkosten in einen wirtschaftlichen Bereich senken. Dafür haben sie nun bis November 2022 Zeit.

Das Projekt wird von Industriefirmen, vom Bund, dem Freistaat Bayern und mit EU-Mitteln unterstützt. Und SUN, der städtische Entwässerungsbetrieb stellt die Räumlichkeiten in der Kläranlage und auch Personal zur Verfügung.

Die Forschungsanlage ist dort über einem der BHKW installiert und in das System eingebunden. Das alles ist nur wenige 100 Meter von den Forschern im Kompetenzzentrum entfernt, optimal für die laufende Projektarbeit.

Manns/WRA

Ehrenring des VDI für Bayreuther Ingenieur

Das energiesparende Fräsen des Doktor Westermann

Hohe Auszeichnung für Dr.-Ing. Hans-Henrik Westermann (37): Vor wenigen Tagen erhielt er für seine hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Produktionstechnik den Ehrenring des VDI. Er war viele Jahre in Bayreuth tätig.

Geehrt wurde Dr. Westermann vor allem, weil der Inhalt seiner Dissertation erfolgreich umgesetzt wurde: Das von ihm entwickelte neue Werkzeug wurde bereits im Januar 2016 zum Patent angemeldet. Seither wird es aufgrund seiner ausgezeichneten Funktionseigenschaften unter dem Namen „S-Cut“ vertrieben und inzwischen in 19 Ländern eingesetzt. Die Universität Bayreuth hat die Doktorarbeit im Juli 2016 mit »Note 1 mit Auszeichnung / summa cum laude« bewertet.

Der VDI-Bezirksverein Bayern Nord-Ost hatte den promovierten Ingenieur für die Auszeichnung mit dem Ehrenring aus Gold vorgeschlagen. Bei der Ringübergabe konnten nun die BNO-Vorstandsmitglieder Holk Traschewski und Georg Manns dem Ausgezeichneten persönlich gratulieren.

Dessen Doktorvater Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper hatte den Vorschlag begründet. Der Lehrstuhlinhaber für Produktionstechnik an der Universität Bayreuth erklärt die Dissertation unter anderem so: „Hans-Henrik Westermann hat wissenschaftlich-systematisch die Entwicklung einer neuartigen, sehr effizienten und energieverbrauchsoptimierten Schneidengeometrie für Vollhartmetall-Schaftfräser erarbeitet. Diese Geometrie erlaubt um 20 Prozent höhere Schnittgeschwindigkeiten bei gleichzeitig um bis zu 60 Prozent erhöhter Standzeit.“

Das sei wichtig für metallverarbeitende Unternehmen, die ihre Fertigungsprozesse ständig in Richtung Energieeffizienz weiterentwickeln würden. Und zwar sowohl aus betriebswirtschaftlichen als auch aus energie- und umweltpolitischen Gründen.

Dr. Westermann habe sich auf Vollhartmetall-Schaftfräser konzentriert und dabei bereits „die enorme Reichweite und Wirksamkeit seiner Entwicklung“ im Blick gehabt. Denn „derartige Bearbeitungswerkzeuge finden in fast allen Prozessketten der spanenden Fertigung Anwendung“, so Prof. Steinhilper.

Neben seiner Tätigkeit in Bayreuth als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und am Lehrstuhl Umweltgerechte Produktionstechnik der Universität hat sich Hans-Henrik Westermann über zehn Jahre lang ehrenamtlich im VDI engagiert. Beispielsweise war er Arbeitskreisleiter der „Studenten und Jungingenieure – suj“. Dass er darüber hinaus in weiteren Vereinen und Gremien tätig war und ist, unterstreicht seinen großen ehrenamtlichen Einsatzwillen. Seit Kurzem ist Dr.-Ing. Westermann beim Flugmotoren-Serviceunternehmen MTU Maintenance Hannover GmbH tätig.

Mit dem aus Gold geschmiedeten Ehrenring zeichnet der VDI seit 1934 junge Ingenieurinnen und Ingenieure aus, die bereits Bedeutendes in ihrem jeweiligen Tätigkeitsbereich geleistet haben. In diesen 85 Jahren wurde der Ring lediglich 209 Mal verliehen – auch dies ein Zeichen für die hohe Qualität der jeweils geehrten Personen und Arbeiten. Neben Westermann bekamen in diesem Jahr nur zwei weitere Ingenieure das geschmiedete Ehrenzeichen durch VDI-Präsident Dr.-Ing. Volker Kefer überreicht.

Manns / WRA

VDI Bayern-Forum zu automatisiertem Fahren

Der steinige Weg zu "Brain Off, Drive Off"

Nürnberg, 12. November 2019

Wie kann Automatisiertes Fahren die Mobilität der Zukunft sicherstellen, Güter und Personen sicherer und effizienter transportieren? Und wie steht es um persönliche Daten? Darum ging es beim bayerischen VDI-Forum in den Räumen des Heimatministeriums in Nürnberg.

VON HEINZ WRANESCHITZ

Professor Johannes Fottner empfiehlt: „Schauen Sie in die Großindustrie: Dort weiß jeder, der Roboter bleibt stehen, wenn jemand gefährdet würde. Aber niemand traut dem Gabelstaplerfahrer. Wir müssen es schaffen, dass die Robotik dominant wird gegenüber dem Menschen“, nennt der Vorsitzende des VDI-Landesverbands Bayern als wichtige Voraussetzung, damit sich „automatisiertes Fahren“ auch tatsächlich durchsetzen kann.

In näherer Zukunft aber werde sich noch nicht einmal die Vorstufe „autonomes Fahren“ auf den Straßen dieser Welt breit durchsetzen, sind sich Prof. Fottner und alle Referenten des VDI-Forums 2019 einig. Dafür gibt es viele Gründe.

Da sind zum einen die „juristischen Fallstricke der Zulassung“, über die vor allem Professor Bernhard Gerster referiert, an der Berner Fachhochschule für Automobiltechnik zuständig. Immer wieder spricht er von der „Rückfallebene Mensch“: Auf die falle heute bei allen in der Öffentlichkeit fahrenden teilautonomen Fahrzeugen die Verantwortung zurück, wenn die Technik versagt. Denn bis heute gebe es „keinen Nachweis der Fehlerfreiheit von Software“.

Doch auch bei den schier unendlich vielen Daten selbstfahrender Autos sei vieles ungeklärt: „Wem gehören die: Dem Fahrer oder dem Hersteller? Wie kommt der Datenaustausch zwischen den einzelnen Fahrzeugen zustande, denn die müssen natürlich kommunizieren?“ Genauso sei offen: „Wie lange gilt die Zulassung? Und wenn Fehler auftreten, müsste sichergestellt sein, dass diese sofort korrigiert werden und nicht erst nach zwei Jahren.“ Die Zuhörer denken sofort an die bis heute nicht vollständig reparierte Software, die den Dieselskandal auslöste. „Aber wer updatet, wenn der Hersteller Pleite geht?“ Kopfkratzen allerseits. Dafür hat Prof. Gerster die Lacher auf seiner Seite, als er über die Verfügbarkeit von Fahrzeugen spricht. „Was ist, wenn ein automatisiertes Auto sagt: Heute nicht?“

Auch deshalb seien bei der Softwareentwicklung seiner Firma unter anderem Psychologen dabei, nicht nur Informatiker oder Ingenieure, erläutert Klaus Fuchs von AVL Software and Functions GmbH Regensburg. „Wenn die Angst besteht, dass ein Hacker eine Vollbremsung einleitet, wird ein solches System abgelehnt“, lenkt er den Blick auf den Bereich Sicherheit. Für ihn „muss die Software stets fehlerfrei sein und auch dann das tun, was sie muss, wenn ein Sensor falsche Informationen liefert“. Denn „Unfallfreiheit ist ein wichtiger Treiber“, schon für die aktuellen Fahrerassistenten, einer Vorstufe zu autonomen oder automatisierten Systemen.

Ohnehin ist für Christof Kerkhoff, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik, „automatisiertes Fahren nur ein Baustein, nicht die Lösung aller Mobilitätsprobleme“. Deren erste relevante Einsatzfälle erwartet er „in der Landwirtschaft: Da ist wenig Gegenverkehr.“

Dem stimmt Fahrmechanik-Professor Peter Pfeffer von der Hochschule München zu: „Nur autonom ginge einfach. Mischbetrieb aber wird schwer und ist gefährlich.“ Und noch eine Frage wirft er auf: „Wie kann die Polizei ein solches Fahrzeug stoppen? An so etwas wird heute überhaupt noch nicht gedacht. Diese Art von Mobilität ist noch viel weiter weg, als wir uns das vorstellen.“

Auch das sind wohl einige der Gründe, warum der Wirtschaftsjournalist Thomas Tjiang, der Moderator der Veranstaltung irgendwann sagen wird: „Das ist für den technischen Laien frustrierend.“

Hoffnungsvoller gibt sich schon der Fürther Landrat Matthias Dießl. Er und seine Landkreisbürger seien neuen Technologien aufgeschlossen, „möchten die Mobilität verändern, auf dem Land leben, in der Stadt arbeiten, das fordert heraus“. Direkt an der Landkreisgrenze, in Nürnberg-Gebersdorf entstehe bald die Endhaltestelle der U-Bahn-Linie 3, „eine Verkehrsdrehscheibe“. Dießl sieht Chancen, von dort eine autonome Buslinie einzurichten, genauso wie von einer S-Bahn-Station im nahen Oberasbach. Auch wenn bisher Förderzusagen fehlten: „Wir bleiben dran“, so Dießl.

Großteils „Aufgeschlossenheit gegenüber dem automatisierten Fahren“ haben laut VDI-Mann Christof Kerkhoff auch die Teilnehmer einer VDI-Mitgliederbefragung signalisiert. Doch sie wollen möglichst selber noch eingreifen können – Motto „Freude am Fahren“. Apropos Fahren: Gerne nutzen würden es viele, aber kosten sollte der erwartete Gewinn an Entspannung, Sicherheit und Komfort möglichst wenig, haben die VDI-Mitglieder preisgegeben.

Am Ende sind sich alle am Podium einig: Selbst Hochautomatisiertes Fahren, „SAE-Level 3(von 5): Eye off“ werde frühestens um 2030 herum relevant möglich sein. Zumal gerade die Entwicklung der hochkomplexen Software laut Christof Kerkhoff sehr teuer sei. Ohnehin erwartet nicht nur AVL-Ingenieur Klaus Fuchs „die wesentlichen Treiber vor allem im professionellen Bereich“, also im Transportwesen. Denn schon heute bleiben immer öfter die Fahrersitze hinter Bus- oder Lkw-Lenkrädern unbesetzt. Hier könnten automatisiert funktionierende Fahrzeuge helfen. Aber wann wird das dafür notwendige „Level 5: Body off“ (Fuchs) erreicht? Dazu traut sich an diesem Abend niemand, ein konkretes Datum zu nennen.

Autor:

Heinz Wraneschitz bildtext.de
Journalist - Dipl.-Ing. - Deutscher Medien-Solarpreisträger 2018

Prof. Dr.-Ing. Johannes Fottner
Von links nach rechts: Christof Kerkhoff, Bernhard Gerstner, Prof. Johannes Fottner, Matthias Dießl, Prof. Peter Pfeffer, Klaus Fuchs

Der VDI auf der iENA 2019

Cramer Klett Preis Verleihung 2019

Der Entwickler des spiegellosen Lkw-Rückspiegels

Dr.-Ing. Stefan Bauer war heuer gleich doppelt erfolgreich: Das von ihm initiierte und maßgeblich entwickelte „Spiegelersatzsystem für Nutzfahrzeuge“ ging in Serie. Und dem VDI-Bezirksverein Bayern Nordost e.V. (BVBNO) war Bauer preiswürdig. Der stellvertretende Vorsitzende Holk Traschewski zeichnete den Maschinenbau-Ingenieur der MEKRA Lang GmbH & Co. KG in Ergersheim, mit dem Theodor-v.-Cramer-Klett-Preis 2019 aus. Mit Urkunde, 2.500-Euro-Technikreisegutschein, einem Erinnerungsgeschenk und VDI-Schnuppermitgliedschaft.

 

Auch wenn die Preisübergabe direkt vor der Replik des ersten Diesel-Motors der MAN Nürnberg stattfand: Dr. Bauers Entwicklung ist serienmäßig inzwischen bereits in einigen Tausend Lkws und Bussen, auch der Konkurrenz, eingebaut. Stefan Meusert, als Senior Vice President der MAN T&B AG Gastgeber der Preisverleihung, gab zu: „Auch wir machen mit bei Innovationen wie neuen Antriebskonzepten, Platooning von Lkw auf Autobahnen oder beim Autonomen Fahren.“ Das System, das Stefan Bauers Entwicklungsteam auf die Beine gestellt hat, ist deshalb auch für MAN interessant.

Seit der Jahrtausendwende vergibt der BVBNO alle zwei Jahre den v. Cramer-Klett-Preis. Eine regionale Experten-Jury bewertet Innovation, Ganzheitliches Denken, Firmen-Umfeld und Umsetzbarkeit. Und die hatte heuer wenig Mühe, den Preisträger auszuwählen.

2010 stellte Stefan Bauer seine Vision  der Geschäftsführung des mittelständischen Familienbetriebs aus dem Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim vor. „Man hat damals viele Gründe finden können, warum man es nicht will“, also die zweigeteilten Rückspiegel an Lkws durch ein einziges digitales Kamera- und Monitor-System zu ersetzen. Doch der Preisträger, 2011 zum Entwicklungsleiter von MEKRA Lang berufen, wollte diesen Wechsel. Auch wenn dem promovierten Maschinenbauer bewusst war: „Elektronik robust zu machen ist nicht leicht.“

Zu Beginn konnte er nur auf ein recht kleines Entwicklungsteam zurückgreifen. „Doch das Kundeninteresse war spürbar, Spiegel digital zu ersetzen“, erinnerte er sich in seinem Vortrag zur Preisverleihung. Und so gewann er einerseits 2012 einen Kunden für ein Projekt in der Vorentwicklungsphase. Und andererseits engagierte er sich stark in der internationalen Normung für Digital-Spiegelersatz-Systeme: Er übernahm den Vorsitz in der neu gestarteten ISO-16505-Normungs-Arbeitsgruppe.

Die 100-Seiten-Vorschrift mit 70 Prüfvorschriften ist inzwischen fertiggestellt. Bauer erläuterte „das darin formulierte Ziel: Das Digitalsystem muss den Spiegel zu mehr als 100 Prozent ersetzen.“ Es gehe dabei um die Geometrie der Sichtfelder, um das Echtzeitverhalten, um die Position der linken und rechten Kameras außen der zugehörigen Monitore innen, was passiert beim Ausfall der Elektronik. Und ganz besonders stehen diese Fragen im Blick: „Wie kann der Fahrer die Sichtfelder interpretieren. Und wird der Trucker das System akzeptieren?“

Für die Versuchsflotte hatte der TÜV eine Ausnahmegenehmigung erteilt. „Die Fahrer haben sich rasch an das System gewöhnt.“ Und so startete nach der Vorstellung des Prototyps und der positiven Resonanz auf der IAA 2014 die Serienentwicklung. „Es gab noch viele Probleme“, wie Stefan Bauer zugab: Kein serienmäßiger Sensor war zu haben; dass die Software ebenfalls selbst geschrieben werden musste, „war nur die Spitze des Eisbergs“. „Wegen der Komplexität“ sei sein Team, „von dem alle den Preis genauso verdient hätten“, stark gewachsen: Allein bei MEKRA Lang waren 50 Menschen mit dabei, die Entwickler bei Partnerfirmen noch nicht mitgezählt.

Aber seit Mai 2019 ist das „DVS Generation 1“ genannte, modulare Spiegelersatzsystem serienmäßig in Lkw und Bussen im Einsatz. Besonders stolz ist Dr. Bauer auf die außermittige Anordnung des Sensors, der das Bild aus einer Kamera für die Elektronik aufbereitet. „Zusammen mit einem Spzial-Objektiv wird die Trailerkante gerade dargestellt“, also die Linie, an der sich Lkw-Fahrer auf der Straße orientieren. Weil beim Rückwärtsfahren das Sichtfeld des Weitwinkelspiegels vergrößert wird, wird auch das Rangieren erleichtert. Und dass das System nach Vorgabe des Lastenheftes Energie einsparen muss, mindestens ein Prozent Einsparung werden erreicht, darf auch nicht vergessen werden.

In den nächsten Generationen soll zudem die intelligente Bildauswertung möglich werden: Informationen über Objekte dienen zur Vorbereitung des Autonomen Fahrens und machen zusammen mit den Fahrerassistenzsystemen die Trucks und Busse noch sicherer.

„Als das erste Kundenfahrzeug vom Band lief, war das ein großes Thema für uns. Das ist für einen Ingenieur etwas, was er nicht oft erlebt.“ Und genauso wenig, dass man wie Dr. Stefan Bauer kurz danach auch noch den Cramer-Klett-Preis erhält.

HANS-GEORG MANNS / WRA

Pressemitteilungen

VDI Schülerforschungszentrum Richard Willstätter gewinnt 15.000 Euro - Preis der Joachim Herz Stiftung.

Das das VDI Schülerforschungszentrum Richard Willstätter (VDI SFZ RW) ist einer der Sieger des diesjährigen Wettbewerbs der Joachim Herz Stiftungzur Gründung neuer Schülerforschungszentren. Als Preisträger kann sich das VDI SFZ RW über 15.000 Euro Preisgeld freuen.


Das VDI Schülerforschungszentrum Richard Willstätter
Hier geht's zum Videoportrait: https://m.youtube.com/watch?v=yjSYJvspbpk&feature=youtu.be

Das Schülerforschungszentrum am Willstätter Gymnasium Nürnberg überzeugte durch das beispielhafte Konzept zur Integration in die bestehenden Netzwerke des
VDI Bezirksvereins Bayern Nordost und des Erlanger Schülerforschungszentrums. Weitere Netzwerkpartner sind die Jugendgruppe der VDI Zukunftspiloten, das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und die Hermann Gutmann Stiftung.

Schülerforschungszentren sind ein effektives Instrument zur Förderung junger MINT-Talente, so Dr. Sven Baszio, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Jugend forscht e. V.. „Wir waren von der Qualität der eingereichten Konzepte begeistert. Mittlerweile gibt es bereits rund 100 dieser‚ Sportvereine für MINT-Athleten’ in Deutschland."

Schülerforschungszentren sind eine wichtige Anlaufstelle für Jugendliche, die sich besonders für Naturwissenschaften interessieren. Hier können sie ihre Ideen ausprobieren und Fragen stellen, für die in der Schule oft kein Platz ist. Und sie können sich mit anderen Jugendlichen austauschen, die ihre Begeisterung für Technik und den Spaß am Ausprobieren und teilen. Neben Nürnberg wurden die Forschungszentren in Amorbach, Chemnitz, Darmstadt und Gengenbach ausgezeichnet. Insgesamt nahmen 23 Schülerforschungszentren am Wettbewerb teil, der von der Stiftung Jugend forscht e. V. und der Joachim Herz Stiftung ausgeschrieben wird.